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  Hallo mein Liebling.

 

 Es ist schon 1 Jahr an uns vorbei gelaufen.

1 Jahr ohne Dich.

Willst du wissen wie es ist?

Jeden Freitag um 12 Uhr höre ich mich sagen:

“Schätzchen , du brauchst keine Angst zu haben.

Wenn du nach der OP raus kommst , warten wir auf dich!“

Das sind meine letzte Wörter zu meinem Kind...

     52Wochen und 1 Tag...

    Ich könnte sagen- schlimm,

Ich könnte sagen unerträglich oder- Hölle,

kann ich aber nicht,

ich kenne dieses Wort nicht was beschreiben kann

wie es ist, ohne deine Stimme,

ohne deinen Lachen oder Weinen

ohne deinen kleinen Händen, ohne dein Vertrauen  -

einfach ohne dich...

Unser Leben ist jetzt geteilt: Vor DEM, und nach DEM.

Optisch - hat sich wenig verändert,

seelisch - sind wir gebrochene Menschen.

Manchmal fange ich an zu weinen „ohne“eine Vorwarnung.

Für alle Menschen ist es schon so lange her, das du nicht da bist,sie fragen mich dann:

“Was ist! Ist was passiert?“

„Nichts neues“-sage ich dann.

Wie kann ich erklären dass ich fürchterlich geweint hatte als deine Burg, die du mit mir noch am Donnerstag

(5 August) gebaut hast und die 10 Monaten mitten im Zimmer stand,eines Tages einfach eingestürzt ist.

In diesem Jahr war es das schlimmste was ich verkraften musste. Weil mir die Möglichkeit genommen wurde die Sachen aufzuräumen, wenn ich so weit war.

Und so standen wir vor Ruinen.

 Wieder vor Ruinen unseres Lebens. Wie Weh es tut. 

Jeder Morgen fängt gleich an. Wenn ich wach werde und bevor ich meine Augen aufmache „sehe“ich dich vor meinem Bett stehen.

Wie in meinem „anderem Leben“.

Wenn du wusstest das ich nicht arbeiten war,bist du ganz leise zu mir geschlichen und hast geguckt ob ich schlafe.Ich habe dich immer gehört und gelächelt,dann flüstertest du :

„ Guten Morgen Schätzchen!“. Du sagtest das zu mir,

 deiner Mutter...Ich höre dich immer und immer wieder“ Guten Morgen Schätzchen!“.

 Papa und ich waren auf einem Seminar.Es waren über 100 Menschen da und nur 2 kleine Kinder.1Mädchen und 1Junge in deinem Alter.Als sie rein kamen waren noch fast alle Plätze frei. Sie haben sich die „beste Plätze“ ausgesucht,der Junge saß neben mir...Kurze Zeit später mußte er raus, dann kam er wieder, stolperte über meine Tasche und stützte sich mit seiner kleine Hand an meinem Bein. Er war sehr höflich, hat sich sofort entschuldigt und setzte sich wieder neben mich.

Ich war ganze 2 Minuten ganz stark, dann bin ich in Tränen ausgebrochen. Natürlich haben mich alle angeguckt... Wie kann ich erklären dass die Stelle auf meinem Bein , wo er seine kleine Hand abgestützt hatte, noch lange sehr spürbar war. Kann ich nicht und will ich nicht,

weil es so viel Kraft nimmt.

 Es ist ein Zustand, der nicht rückgängig zu machen ist. Es ist wie mit einer Amputation zu leben. Es ist etwas ganz Großes abgetrennt, das nie mehr nachwachsen kann. Egal was man tut, egal was man macht,

Es fehlt.

Ich frage mich-

Was würde dich jetzt interessieren?

Welche Bücher würde ich jetzt kaufen?

So viele Fragen...

Wie würdest du jetzt aussehen?

Du bist ja auch schon ein Großer.

NIE werde ich dich rennen sehen, zu Elternsprechtagen gehen, dein Abitur erleben, deine erste Liebe kennenlernen und mich für dich freuen oder mich aufregen

weil sie nicht die „Richtige“ für dich ist,

NIE werde ich deine Kinder verwöhnen...

NIE... 

Es war Ende Juli- Sonntag.

Wir alle hatten frei, deswegen kamst du zu uns als du wach wurdest und wir kuschelten noch einwenig.Wie immer,wenn ich am Wochenenden frei hatte.

Es waren die schönsten Tage überhaubt.Dann sagtest du :

“Mama ich habe dich lieb.“Dann hast du ein wenig überlegt und sagtest“Papa habe ich auch lieb.

Ich liebe euch beide gleich!“

Du hast es schon viele Male zu uns gesagt, aber an dem Tag irgendwie anders, sehr nachdenklich.

 Das war deine letzte Liebeserklärung zu uns.

 Wir leben in der Vergangenheit. Die Erinnerungen helfen uns manchmal...

Nur ich möchte so viel  MEHR  Erinnerungen haben.Alle tausende Bilder helfen nicht.Ich bin so froh dass du immer aufgepasst hast dass ich Bilder von dir mache.

Du hast dich so gerne fotografieren lassen.

Danke mein Schätzchen. 

Menschen halten Abstand von uns.Wir sind nicht mehr interessant,

wir sind traurig und vielleicht auch verbittert.

 

 Schon jetz trauen sich nur wenige deinen Name zu erwähnen.Alle haben (am Anfang) gesagt: Es wird nie mehr sein, wie es war. Aber nach 1 Jahr denken alle, na ja, das Leben muss weiter gehen.

 Geht es auch. Aber wie?

 Wir haben eine Last zu tragen die uns oft tief fallen lässt.Wir müssen unser Leben ganz von vorne anfangen.  

Wir sind im Moment „blind“.Wir versuchen Schritte zu machen ohne zu wissen ob sie „gut“ für uns sind oder nicht. Wir überlegen jeden Tag, was wir machen oder unternehmen können, stellen uns Aufgaben, gehen arbeiten, kochen und essen und jeden Tag fragen wir uns:

Wofür müssen wir uns eigentlich Mühe geben,

 es ist doch so schwer.

Und dann sind wir schon am morgen müde...

Wir verfallen nicht in Selbstmitleid oder Selbstquälerei,

es ist:

 Hilflosigkeit.

 

 

   D M S F W D M L H     ( unsere Geheimsprache)